11 Monate in der Weite

Am 15. August war es so weit: nach 11 Monaten ging die Kooperationsausstellung „In die Weite. Aspekte Jüdischen Lebens in Deutschland“ zu Ende. Zwei Tage danach war ich im Kolumba, um beim Abbau zu helfen und es bildete sich ein wehmütiger Kloß im Hals. So viele begeisterte Besucher*innen, so großartige Objekte, die uns zahlreiche großzügige Leihgeber*innen zur Verfügung gestellt hatten. Objekte, die vom vielfältigen jüdischen Leben in Deutschland erzählen. Darunter waren nicht nur sehr berühmte Stücke, sondern auch noch Unbekanntes oder Unerwartetes.

Das Konzept, diese Objekte mit der herausragenden Kunstsammlung des Kolumba in einem räumlichen Dialog zu setzen hat sich bewährt und wurde durchweg positiv aufgenommen. Einzelne Ausstellungsräume zogen Sichtverbindungen in die Stadt, etwa zum Kölner Dom und zur Oper, dem ursprünglichen Standort der Synagoge Glockengasse. Die Genisa (ein Depot für nicht mehr nutzbare religiöse Schriften oder Gegenstände) der ehemaligen Synagoge Niederzissen fand im sogenannten Armarium ein neues Zuhause und wirkte für sich selbst.

Das Foto zeigt einen dunklen Raum. Im Vordergrund steht ein Tisch auf dem mehrfarbige Textilfragmente in verglasten Holzrahmen ausgelegt sind. Im Hintergrund ist ein Regal mit zahlreichen Kartons sichtbar.
Der Ausstellungsraum mit den Objekten aus der Genisa in Niederzissen. © Franziska Gradl

Mit den monatlichen Werkgesprächen und Vorträgen zu einzelnen Aspekten der Ausstellung und einem Social-Media-Event konnten wir uns auf Details fokussieren und unterschiedliche Perspektiven auf Geschichte, Menschen und Objekte diskutieren.

Vortragspublikum von hinten. Im Hintergrund erkennt man einen Redner am Pult und eine Beamer-Präsentation.
Vortragsabend in der Ausstellung. © Stefan Arendt / LVR-ZMB

Das Highlight zu Beginn der Ausstellung war die Präsentation des Initial-Objektes für das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“: das Dekret Kaiser Constantins von 321, in der ältesten erhaltenen Abschrift aus dem 6. Jahrhundert. Die Anlieferung war ein Medienereignis und die rote Transportkiste aus dem Vatikan signalisierte die hohe Bedeutung des Objekts.

Ausstellungsbesucher beugen sich über eine Vitrine.
In der Ausstellung. © Nicole Schäfer / LVR-ZMB

Viele Objekte erzählten von der langen Geschichte von Jüdinnen*Juden in Köln, darunter auch Objekte, die fast 60 Jahre nach der berühmten Ausstellung „Monumenta Judaica“ wieder hier präsentiert werden konnten. Ein persönlicher, sehr bewegender Moment war die Präsentation der vierbändigen Ausgabe der Mischne Tora von 1296. Dieses so bedeutende Gesetzeswerk gehört zu den herausragenden Stücken der mittelalterlichen hebräischen Buchkunst weltweit. Es wurde vermutlich in Köln, beziehungsweise im nordfranzösischen Raum, erstellt. Eine kleine Anmerkung am Ende des Manuskripts belegt aber eindeutig, dass es zumindest zeitweise in Köln anwesend gewesen sein muss: hier weist Ephraim bar Uri HaLevi Gumbrecht in der Budengasse in Köln darauf hin, dass er das Werk 1413 mit Erläuterungen versehen hat.

Auch archäologische Fragmente, die in der Grabung vor dem Kölner Rathaus gefunden wurden, waren ausgestellt. Sie gaben den Besucher*innen schon einen kleinen Ausblick auf das, was wir im MiQua einmal präsentieren werden.

Blick in einen Ausstellungraum. An den Wänden hängen moderne Ölbilder. Im Zentrum stehen versetzt mehrere Vitrinen. In der Vorderen Vitrine sind Architekturfragmente zu erkennen.
Vitrinen mit den archäologischen Funden aus dem mittelalterlichen jüdischen Viertel in Köln. © Franziska Gradl

Wir danken den Kolleg*innen vom Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln für die Zusammenarbeit, der Ehemaligen Synagoge Niederzissen, den zahlreichen Leihgeber*innen, den großzügigen Fördernden und Unterstützer*innen und unseren Besucher*innen für inspirierende Gespräche, Offenheit und Interesse.

Aufnahme aus dem Publikum: Die Kurator*innen - drei Männer und eine Frau - sitzen nebeneinander, sprechen in ein Mikro und lächeln. Von hinten ist noch die vorderste Reihe der Anwesenden zu sehen.
Ein Teil der Kurator*innen im Gespräch mit Vertreter*innen der Presse. © Anette Hiller / LVR-ZMB

Ein Beitrag von Christiane Twiehaus, Abteilungsleitung für Jüdische Geschichte und Kultur im MiQua.

Beitragsbild © Franziska Gradl

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Johannes Wachten sagt:

    Gelungen zusammengefasst bei einer überwältigenden Vielfalt von Aspekten der Ausstellung. Lässt hochgespannte Erwartungen für alles Zukünftige.

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    1. Team MiQua sagt:

      Lieber Herr Wachten, vielen Dank. Wir werden versuchen, die Spannung hoch zu halten!

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