Christlich-jüdische Geschichte in den Bildwerken des Kölner Doms. Throwback auf eine Führung von und mit Dr. Klaus Hardering

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Im Rahmen der Veranstaltungsreihe des MiQua zum Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ hat Dr. Klaus Hardering, studierter Kunsthistoriker und seit 2007 Leiter des Kölner Dombauarchivs, vier Führungen im Kölner Dom angeboten. 

Momentaufnahme während der Führung im Kölner Dom. Ein Mann mit blauer Steppjacke und weißen, schulterlangen Haaren steht vor dem Dreikönigsschrein im Kölner Dom. Das prunkvolle, goldene Objekt steht in einer gesicherten Vitrinenanlage auf Kopfhöhe.
© Annette Hiller-Pahlow / LVR-ZMB

Thematischen Schwerpunkt des Rundgangs bildeten die lange vernachlässigten Bildwerke aus knapp 750 Jahren, die sich mit dem christlich-jüdischen Verhältnis auseinandersetzen: Ob verachtende antijüdische Darstellungen, wie das „Judensau“-Relief aus dem 14. Jahrhundert im mittelalterlichen Chorgestühl, das den Juden des Erzbistums eine gewisse Rechtssicherheit verleihende Judenprivileg des Kölner Erzbischofs Engelbert von Falkenburg aus dem Jahre 1266, oder die aufwendigen Stiftungen des Priesters Victor von Carben aus dem 16. Jahrhundert, der seine nun christliche Frömmigkeit als konvertierter Jude endgültig unter Beweis stellen und sich gegen seine frühere Religion positionieren wollte. 

Aufnahme von einer mittelalterlichen Figurengruppe, die aus zwei Frauenfiguren, einem Kleinkind sowie einem knienden Mann zu ihren Füßen und zwei Engelsgestalten am unteren Ende besteht. Ein Schriftband weißt auf den Stifter hin. Sie hängt in einer Seitenkapelle des Kölner Doms.
Die Figurengruppe „Heilige Sippe“ in der Marienkapelle des Kölner Doms, gestiftet von Victor Carben. © Dombauhütte / Anna Selbdritt

Aber auch in den Bildzeugnissen des 19. und 20. Jahrhunderts finden sich neben Stiftungen, die von einer Beteiligung Kölner Jüdinnen*Juden an der Domvollendung zeugen, auch solche Objekte, die abwertende judenfeindliche Stereotype und Klischees aufgreifen und damit wiederum eine Brücke zu den mittelalterlichen Bildwerken schlagen, indem sie die Vorstellungen des christlichen Antijudaismus wiederholen und antisemitisch verzerren. Zu nennen ist hier insbesondere das sogenannte „Kinderfenster“ aus den 1960er-Jahren, das also nur wenige Jahre nach der systematischen Ermordung von Millionen Jüdinnen*Juden entstand. Es bildet unter anderem Juden in stereotyper Darstellung, mit vermeintlichen „Rassenmerkmalen“ in der Physiognomie ab und erinnert damit erschreckenderweise an die propagierte NS-Ideologie – aber auch an die Szene der Geißelung Christi am Dreikönigsschrein mit den verzerrten Gesichtern zweier Juden, die somit als „Gottesmörder“ diffamiert werden.

Nahaufnahme der Stirnseite des Dreikönigsschreins in seiner Vitrine. Im linken unteren Teil der dargestellten Bildszenen sind zwei Männer dargestellt, die einen Hut tragen, der sie eindeutig als Juden erkennbar machen soll. Das Bild gibt einen Eindruck von der hohen Qualität in der Verarbeitung der Details des Schreins.
© Annette Hiller-Pahlow / LVR-ZMB

Es wird klar: Der christlich verwurzelte Antijudaismus wirkt bis in den zeitgenössischen Antisemitismus nach. Deutlich wird aber auch: Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum. Im sogenannten Älteren Bibelfenster aus dem 13. Jahrhundert werden Szenen aus dem Alten Testament solchen aus dem Neuen Testament gegenübergestellt und aufeinander bezogen. Als „filii Israel“ – Kinder Israels – erhielt das jüdische Volk als das von Gott auserwählte so auch im christlichen Verständnis seine eigene Wertigkeit. Auch wenn mit dem Bezug zum Neuen Testament das Judentum als überholt ausgewiesen wird. 

Detailaufnahme eines Kirchenfensters, in dem Motive des Alten und des Neuen Testaments gegenübergestellt sind.
Das Ältere Bibelfenster im Kölner Dom. © Annette Hiller-Pahlow / LVR-ZMB

Von Duldung und einem ambivalenten Zusammenleben, hin zu einer zunehmenden Ausgrenzung und offenen Feindseligkeit, haben die Führungen eindringlich gezeigt, dass nur durch eine kritische Auseinandersetzung mit diesem Teil des kulturellen Erbes eine Sensibilität für dergleichen Themen in aktuellen Diskussion geschaffen werden kann.

Momentaufnahme während der Führung: Ein Mann mit blauer Weste und schulterlangen weißen Haaren erläutert den Teilnehmenden eine steinerne Urkunde aus dem 13. Jahrhundert am linken Bildrand: das sogenannte Judenprivileg im Kölner Dom. Teilnehmende der Führung sind von hinten auf den Kirchenbänken sitzend zu sehen.
© Annette Hiller-Pahlow / LVR-ZMB

Die Führungen sind als Beiträge zur Aufarbeitung der Geschichte des kirchlichen Antijudaismus zu verstehen – eine Geschichte, die als Mahnmal für die Gegenwart und Zukunft gelesen werden sollte.

Ein Beitrag von Philipp Lenhart, ehemalige studentische Hilfskraft für den Bereich Mittelalter im MiQua.

Beitragsbild © Annette Hiller-Pahlow / LVR-ZMB

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  1. Avatar von Johannes Wachten Johannes Wachten sagt:

    Der geschildert Rundgang verdient es, öfter angeboten zu werden

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