Während meiner Recherchearbeiten als Praktikantin im MiQua bin ich in der Objekt-Datenbank des Museums auf ein sehr schönes Objekt gestoßen: Ein Trichterhalsbecher aus Siegburger Steinzeug. Obwohl er auf dem Foto sehr groß erscheint, ist er nur 9,5 cm hoch und damit in etwa so groß wie eine Kaffeetasse. Er ist geschmückt mit einem Wappen mit fünfarmigen Kreuz und einem wunderschönen Disteldekor. Die Bezeichnung wird in der Archäologie zwar so verwendet, aber vermutlich handelt es sich eher um Blätter der Stechpalme (Ilex) (Abb. 1). Eine Glasur sorgt für seine glänzende Oberfläche.

Der Krug wurde im Keller eines Wohnhauses gefunden und diente vermutlich dem Konsum von Wein oder Bier. Der namengebende trichterförmige Hals ist leider abgebrochen.
Was das Objekt für mich so spannend macht, ist einerseits sein Material und andererseits das Wappen. Das Material ist sogenanntes Siegburger Steinzeug. Als Steinzeug wird Ton bezeichnet, der mit einer Brenntemperatur von meistens 1200-1300 Grad Celsius gebrannt wurde und daher besonders dicht ist. Nicht jeder Ton eignet sich hierfür. Siegburger Steinzeug wurde – wie der Name vermuten lässt – in Siegburg und mit lokalem Ton hergestellt. Charakteristisch für diesen Ton ist seine sehr helle, fast weiße Farbe.
Das Wappen auf dem Krug könnte vielleicht einen Hinweis auf dessen Besitzer oder Auftraggeber geben (Abb.2). Leider waren wir bisher noch nicht in der Lage das Symbol auf dem Wappen zuzuordnen.

Datieren kann man den Krug dennoch – und zwar anhand seiner Form. Archäologen machen dazu so genannte typologische Vergleiche, indem sie andere Objekte suchen, welche dem Vorliegenden in Form und Dekor ähneln. Diese Methode wird in der Archäologie oft verwendet, wenn andere Methoden wie die naturwissenschaftliche Radiokarbondatierung (C14-Datierung) nicht weiterhelfen.
In diesem Fall befinden sich einige ähnliche Becher im Rheinischen Landesmuseum in Trier. Eines der Wappen auf den dortigen Bechern konnte dem Trierer Kurfürsten Johann von Metzenhausen zugeordnet werden, der von 1531 bis 1540 regierte. Es ist daher anzunehmen, dass auch unser Trichterhalsbecher in die erste Hälfte oder Mitte des 16. Jahrhunderts zu datieren ist.
Da der Becher auf dem Rathausplatz in Köln gefunden worden ist, gibt er auch einen Hinweis auf die Handelsbeziehungen zwischen Köln und Siegburg. Siegburger Keramik war beliebt und das weit über die Grenzen Siegburgs hinaus. Interessanterweise war der große Erfolg des Siegburger Steinzeugs im Fernhandel auch den Kölner Kaufleuten zu verdanken, welche ihre Verbindungen im Hansehandel nutzten, um die Ware in ganz Nord- und Osteuropa zu vertreiben.
Für mich sind archäologische Objekte wie Puzzlestücke, die uns einen kleinen Einblick in die Vergangenheit bieten. Wie Ihr gerade gelesen habt, kann uns ein einzelnes Stück schon viel erzählen – doch erst in Verbindung mit weiteren Objekten wird unser Bild von der Vergangenheit vollständiger. Daher wird der Trichterhalsbecher zusammen mit weiteren interessanten Fundstücken aus Alltag, Küche und Tischkultur bald in der Dauerausstellung des MiQua zu sehen sein.
Ein Beitrag von Anna Chiduch, 2024 Praktikantin im MiQua.
Beitragsbild © Nico Wiethof / LVR