Wenn die Jecken rufen und Köln im Konfettiregen versinkt, ist der Karneval nicht nur ein Fest, sondern eine gelebte Tradition. Doch wussten Sie, dass auch Jüdinnen und Juden eine wichtige Rolle in der Geschichte des Kölner Karnevals gespielt haben? Vom bürgerlichen Karneval des 19. Jahrhunderts über die Dämonisierung während der NS-Zeit bis zur Wiederbelebung jüdischer Karnevalskultur heute – die Verbindung zwischen Jüdinnen und Juden und dem „Fasteleer“ ist tief und facettenreich. In der geplanten Dauerausstellung von MiQua wird diese Geschichte durch einzigartige Exponate wie einem Karnevalsorden des „Kleinen Kölner Klubs“ und die Biografie des Karnevalisten Hans Tobar lebendig.
Die Anfänge: Jüdinnen und Juden im bürgerlichen Karneval
Seit der Institutionalisierung des Kölner Karnevals im Jahr 1823 beteiligten sich auch jüdische Kölner*innen aktiv am jecken Treiben. Ein prominentes Beispiel ist Simon Oppenheim, ein Mitglied der berühmten Kölner Bankiersfamilie, der 1824 die Rolle der Prinzessin Venetia übernahm. Der Künstler David Levy Elkan trug mit seinen Lithografien und Karnevalsplakaten wesentlich zur visuellen Gestaltung des Festes bei. Diese frühen Beispiele zeigen, dass Jüdinnen und Juden nicht nur als Teilnehmende, sondern auch als Mitgestaltende prägend waren.
Mit der Gründung des „Kleinen Kölner Klubs“ (KKK) im Jahr 1922 etablierte sich ein eigener jüdischer Karnevalsverein. Der KKK organisierte Sitzungen und war fester Bestandteil des Kölner Karnevals. Ein Karnevalsorden dieses Vereins wird zukünftig in MiQua ausgestellt und illustriert, wie Jüdinnen und Juden ihre kulturelle Identität mit dem „kölschen“ Brauchtum verbanden.

Antisemitismus im Karneval der NS-Zeit
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 veränderte auch den Karneval. Zunächst hielten sich antisemitische Darstellungen in offiziellen Veranstaltungen noch in Grenzen, um ausländische Tourist*innen nicht abzuschrecken. Doch ab 1935 wurde der Karneval immer stärker von der NS-Propaganda instrumentalisiert. Antisemitische Motivwagen, wie der 1936 gezeigte Wagen „Däm han se op d’r Schlips getrodde“, und Lieder mit Hetzparolen wurden Teil der Rosenmontagszüge.

Bildnachweis: NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln / Sammlung Ewald (Bp 8041)
Für jüdische Karnevalist*innen bedeutete dies das Ende ihrer öffentlichen Auftritte. Hans Tobar, ein bekannter Conférencier und Karnevalskünstler, der seit 1919 mit humorvollen Revuen und Büttenreden auf der Bühne stand, wurde aus den Karnevalsgesellschaften ausgeschlossen. Wie viele andere musste er seinen Lebensunterhalt fortan in der jüdischen Gemeinschaft bestreiten. In der zukünftigen Ausstellung von MiQua wird Tobars Biografie gezeigt.
Das Hotel Kaiserhof: Ein Zentrum des Karnevals und ein Symbol des Wandels
Das Hotel Kaiserhof, einst in der Salomonsgasse gelegen, war ein bedeutender Veranstaltungsort für den Kölner Karneval. Hier inszenierte Hans Tobar seine berühmten Fastnachtsrevuen, die bis 1933 regelmäßig ausverkauft waren. Mit dem Beginn der NS-Zeit verlor der Kaiserhof seine Bedeutung für jüdische Künstler*innen, die zunehmend ausgeschlossen wurden. Bereits in der gemeinsamen App mit dem NS-Dokumentationszentrum „Zwischen den Häusern“ stellt das MiQua diesen Ort vor. Die App finden Sie hier: https://miqua.lvr.de/de/stadtrundgang/
Wiederaufbau: Jüdischer Karneval nach 1945
Nach der Schoa dauerte es Jahrzehnte, bis Jüdinnen und Juden wieder im Karneval aktiv wurden. Doch die Liebe zur „kölschen“ Tradition lebte weiter. Der Verein „Kölsche Kippa Köpp“ gründete sich 2017 und will bewusst an die Tradition des „Kleinen Kölner Klub“ anknüpfen. Die Mitglieder des Vereins betonen die Inklusion und Vielfalt, die den Kölner Karneval ausmachen.

Hans Tobar: Ein Leben für den Karneval
Hans Tobar, geboren 1888 in Köln, war einer der bekanntesten jüdischen Karnevalisten seiner Zeit. Bereits mit 17 Jahren trat er als Büttenredner auf und wurde bald eine feste Größe im Kölner Karneval. Seine humorvollen und intelligenten Revuen begeisterten das Publikum. Doch mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde er systematisch ausgegrenzt. Nach der Emigration in die USA 1939 arbeitete Tobar zunächst als Maschinenarbeiter, blieb aber dem Karneval treu und gründete in New York eine Karnevalsgesellschaft für deutsche Emigrant*innen.




Seine Geschichte ist ein zentrales Element der zukünftigen Dauerausstellung von MiQua. Besucher*innen können dann mehr über sein Leben und seine Bedeutung für den Kölner Karneval erfahren. In der bereits genannten App „Zwischen den Häusern“ erfährt man ebenfalls mehr über Hans Tobar.
Die Inhalte dieses Texts wurden vom MiQua-Team recherchiert. Beim Schreiben des Texts wurde durch KI unterstützt.