
Seit 2022 führt die Web-App „Zwischen den Häusern“, gemeinsam entwickelt von Mitarbeitenden des MiQua und des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, Nutzer*innen an unterschiedlichste Orte jüdischer Geschichte in Köln. Mit dabei sind Orte des religiösen Lebens, Arbeitens, der Kultur und des Lernens, aber auch solche, an denen Entrechtung, Ausgrenzung und Verfolgung der Jüdinnen*Juden aus Köln sichtbar werden.
Die Route „Zwischen den Häusern“
Bisher wurden in der App elf historische Plätze und Gebäude vorgestellt, die das MiQua und das NS-DOK im EL-DE-Haus innerhalb der Stadtraums miteinander verbinden. Ihre Bedeutung für die jüdische Geschichte Kölns ist dabei nicht immer offensichtlich. Erst durch die Präsentation von Lebensgeschichten und Hintergrundinformationen zu den Entwicklungen am authentischen Ort werden die einzelnen Stationen auf dem Rundgang als Teile der Stadtgeschichte erlebbar. Die App zeigt dazu vielfältige Medieninhalte und Materialien.

Nicht immer sind die angesprochenen Gebäude noch erhalten: Dort, wo sich in der Glockengasse von 1861 bis 1938 die Synagoge befand, sind heute keine sichtbaren Spuren mehr vorhanden. In der App erfahren Nutzer*innen, wie das einstige religiöse Zentrum der jüdischen Gemeinde Kölns ausgesehen hat – von innen und außen! Außerdem berichtet Margot Plesser, Tochter des Rabbiners Lasar Dünner, in einem Interview über ihre Erfahrungen in der Gemeinde.
Ein noch heute existierendes und aufgrund seiner Bezüge zur jüdischen Geschichte in der App präsentiertes Gebäude, ist das sogenannte Disch-Haus in der Brückenstraße. Mitte der 1930er Jahre spielte dieser Ort eine außergewöhnliche Rolle, vor allem für die jüdische Kultur in der Stadt. Zunehmend vom allgemeinen Kulturbetrieb ausgegrenzt, blieben jüdischen Künstler*innen nach 1933 oft nur noch wenige Gelegenheiten, vor Publikum aufzutreten und zum Beispiel in Theaterstücken mitzuwirken. Eine wichtige Unterstützung bot hier der Jüdische Kulturbund Rhein-Ruhr, der von 1933 bis 1938 in dem nur kurz zuvor errichteten Gebäude seinen Sitz hatte.

Bildnachweis (historische Aufnahme): Fotograf unbekannt. © NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln
Bildnachweis (aktuelle Aufnahme): © Joshua Esters / LVR-ZMB
Neue Inhalte mit der Route „Kultur und Bildung“
Während die ersten Inhalte entlang der Route „Zwischen den Häusern“ unterschiedlichste Themen aufgreifen, widmen sich die neuen Inhalte schwerpunktmäßig den Alltagsbereichen Kultur und Bildung. Ab dem 18. Mai 2025 bietet die App Nutzer*innen noch mehr Einblicke in die Geschichten hinter den Orten, unter anderem mit historischen Fotografien, Originaltönen von Zeitzeug*innen und Videos mit Expert*innen.

Dabei werden die Informationen zu einigen der bereits bekannten Orte erweitert. So enthält die Station zum Kaiserhof in der Salomonsgasse jetzt auch private Fotografien aus dem Leben des Kölner Karnevalisten Hans Tobar. Am Beispiel des Wallraf-Richartz-Museums wird die Bedeutung der Provenienz-, also Herkunftsforschung, mithilfe eines Interviews mit den zuständigen Expert*innen der Stadt Köln erläutert.

Neu hinzugefügte Orte auf der Route „Kultur und Bildung“ wie die Israelitische Volksschule, die sich von 1875 bis 1909 in der Schildergasse befand, ermöglichen eine abwechslungsreiche Beschäftigung mit dem Themenfeld Bildung. Wie der Schulalltag aussah, vermitteln an dieser Station anschaulich historische Fotografien und Dokumente wie das Zeugnisheft von Norbert Grünbaum. Nicht weit entfernt, widmet sich heute der Lern- und Gedenkort Jawne e.V. mit seinen Aktivitäten der Geschichte des jüdischen Gymnasiums und seines Direktors Dr. Erich Klibansky. Zu diesem Ort findet sich in der App ein Interview mit dem Mitarbeiter des Lernorts Adrian Stellmacher.

Über die Web-App
Die Web-App „Zwischen den Häusern“ kann mobil mit dem Smartphone auf einem Spaziergang durch die Stadt genutzt werden. Außerdem sind alle Inhalte auch von zuhause aus über den PC abrufbar. So werden die vielfältigen Informationen zu den Orten erlebbar und die Spurensuche durch Köln kann beginnen – unabhängig von der Auswahl des Endgeräts.
Hier geht es direkt zur Anwendung!
Die neue Route „Kultur und Bildung“ wurde am 18. Mai 2025 im Rahmen des Internationalen Museumstags im MiQua:forum vorgestellt und ist seitdem für alle Interessierten nutzbar.
Ein Beitrag von Samantha Bornheim, Wissenschaftliche Mitarbeiterin für Bildung und Vermittlung im MiQua.