Wer war Luise Straus-Ernst? Vielen ist sie vor allem als erste Ehefrau des berühmten Malers Max Ernst bekannt. Doch sie war weit mehr als das: Kunsthistorikerin, Journalistin, Dadaistin und alleinerziehende Mutter. Geboren in eine jüdische Fabrikantenfamilie in Köln, führte sie ein Leben voller Höhen und Tiefen – und hinterließ ein kulturelles Erbe, das bis heute nachwirkt. Im MiQua wird Luise Straus-Ernst in der zukünftigen Dauerausstellung gewürdigt, unter anderem durch die Hörstation „Heimat in den Dingen“, die Einblicke in ihr bewegendes autobiografisches Werk „Nomadengut“ bietet. Werfen wir einen Blick auf das Leben dieser beeindruckenden Persönlichkeit und ihre Verbindung zu Köln.
Die Anfänge in Köln
Luise Straus wurde am 2. Dezember 1893 in Köln geboren. Ihr Vater, Jacob Straus, leitete eine erfolgreiche Stroh- und Filzhutfabrik, und ihre Mutter Charlotte führte das Familienleben. Bereits in jungen Jahren zeichnete sich Luise durch ihre Wissbegierde aus. Sie besuchte die höheren Mädchenschulen Kölns und schloss ihre Schulzeit mit dem Abitur ab – eine Seltenheit für Frauen ihrer Zeit.
Ihr Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte begann sie 1912 in Bonn, wo sie Max Ernst kennenlernte. Während des Ersten Weltkriegs wechselte sie nach Berlin, kehrte jedoch zur Promotion nach Bonn zurück. Ihre Doktorarbeit mit dem Titel „Zur Entwicklung des zeichnerischen Stils in der Cölner Goldschmiedekunst des XII. Jahrhunderts“ befasst sich mit einem Thema, das direkt mit der mittelalterlichen Geschichte Kölns verknüpft ist – ein Aspekt, der auch im MiQua aufgegriffen wird.
Kunst, Kultur und das Leben als Pionierin
Nach ihrer Promotion arbeitete Luise Straus-Ernst als wissenschaftliche Hilfskraft am Wallraf-Richartz-Museum in Köln und übernahm 1919 sogar kommissarisch die Leitung. Doch ihre Ambitionen gingen über die Museumsarbeit hinaus. Sie engagierte sich in der Kölner Kunstszene, war Teil der Dada-Bewegung und schrieb Kunstkritiken und Artikel für renommierte Zeitungen. Als eine der ersten Frauen in Deutschland, die eine Doktorarbeit in Kunstgeschichte verfassten, wurde sie zu einer prägenden Figur in der Kulturszene der Weimarer Republik.

Ihre Ehe mit Max Ernst war sowohl persönlich als auch künstlerisch von Bedeutung. Gemeinsam lebten sie im kreativen Umfeld der Kölner Dadaisten. Auch wenn die Ehe 1926 geschieden wurde, blieben die beiden durch ihren gemeinsamen Sohn Jimmy und ihre kulturellen Interessen verbunden.

Flucht und Exil: „Nomadengut“
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann für Luise Straus-Ernst ein Leben auf der Flucht. Als Jüdin und Intellektuelle war sie doppelt bedroht. Sie emigrierte nach Paris, wo sie als Schriftstellerin und Journalistin tätig blieb. Ihre autobiografischen Aufzeichnungen „Nomadengut“ sind ein berührendes Zeugnis dieser Zeit. Darin beschreibt sie, wie einfache Gegenstände – ein violetter Schal, ein silberner Aschenbecher, ein Teelöffel – für sie zu Symbolen von Heimat und Erinnerung wurden.
Die Hörstation „Heimat in den Dingen“ in MiQua wird in der Zukunft Einblicke in diese bewegenden Erinnerungen geben und lässt Luise Straus-Ernsts Worte lebendig werden. Die Besucher*innen können nachvollziehen, wie diese Objekte trotz ihres pragmatischen Werts eine tiefe emotionale Bedeutung für sie hatten.
Das tragische Ende einer bemerkenswerten Frau
Nach der Besetzung Frankreichs durch die deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg wurde das Leben für Luise Straus-Ernst immer gefährlicher. Sie wurde interniert und gelangte in das Lager Drancy bei Paris. Im Juni 1944 wurde sie mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Sohn Jimmy, der in die USA hatte fliehen können, hielt die Erinnerung an seine Mutter wach und wurde später selbst Künstler.
Luise Straus-Ernst im MiQua: Erinnerung und Bedeutung
Das MiQua hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichten von Persönlichkeiten wie Luise Straus-Ernst zu bewahren. Ihre Biografie steht exemplarisch für das Engagement jüdischer Frauen in der deutschen Kulturszene und verdeutlicht, wie sehr diese durch die Schoa zerstört wurde. Die geplante Dauerausstellung im MiQua wird mit Bildern, Texten und Hörstationen die unterschiedlichen Facetten ihres Lebens beleuchten – von ihren wissenschaftlichen Arbeiten über ihre journalistischen Tätigkeiten bis hin zu ihren persönlichen Erinnerungen in „Nomadengut“.
Einladung: Vortrag über Luise Straus-Ernst
Für alle, die mehr über Luise Straus-Ernst erfahren möchten, findet am
Donnerstag, 6. Februar, von 19:30 bis 21:00 Uhr ein Vortrag im MiQua:forum statt:
„Luise Straus-Ernst: Eine Frau macht Kultur“
Mit Dr. Christiane Twiehaus und Dr. Eva Weissweiler.
Die Schriftstellerin und Rundfunkautorin Dr. Eva Weissweiler hat sich intensiv mit Luise Straus-Ernst beschäftigt und beschreibt sie als eine der spannendsten Frauenpersönlichkeiten ihrer Zeit. Der Abend bietet einen umfassenden Einblick in ihr Leben und Werk. Wir freuen uns auf Ihren Besuch im MiQua:forum! Bitte melden Sie sich an unter miqua@lvr.de.
Schlusswort
Luise Straus-Ernst hinterließ Spuren, die uns noch heute berühren. Ihre Liebe zur Kunst, ihre mutige Haltung in einer Zeit der Verfolgung und ihr unermüdliches Engagement für die Kultur verdienen es, erinnert zu werden. In der Zukunft können sie in MiQua die Geschichte dieser bemerkenswerten Frau entdecken. Es ist eine Einladung, sich mit der Vergangenheit zu verbinden und daraus Inspiration für die Gegenwart zu ziehen.
Die Inhalte dieses Texts wurden vom MiQua-Team recherchiert. Beim Schreiben des Textes wurde durch KI unterstützt