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Orden des „Kleinen Kölner Klubs“ kommt in die Dauerausstellung des MiQua

Der Karnevalsorden hat die Form eines Davidsterns in den Farben grün und weiß mit einer kleinen Öse an der oberen Spitze. Im Zentrum ist zusätzlich das Emblem des Vereins "Kleiner Kölner Klub" sowie die Jahreszahl 1929 aufgebracht.

Vergangene Woche konnte sich das MiQua-Team über die Zusage eines besonderen Objektes als Dauerleihgabe für das künftige Museum freuen: Gerhard A. Küpper, der Sohn des bekannten Kölner Büttenredners Karl Küpper (1905–1970), sicherte dem Museum den Orden des jüdischen Karnevalsvereins „Kleiner Kölner Klub“ (KKK) für eine Präsentation in der Dauerausstellung zu.

Gerhard Küpper, Sohn des Karnevalisten Karl Küpper, und Christiane Twiehaus, Abteilungsleitung Jüdische Geschichte und Kultur im MiQua, lächeln in die Kamera. Gemeinsam halten sie den Karnevalsorden in einem Bilderrahmen.
Der Karnevalsorden des „Kleinen Kölner Klubs“ von 1929 kommt in die Dauerausstellung des MiQua. Links: Gerhard A. Küpper; daneben: Dr. Christiane Twiehaus. Foto: Sharon Nathan / LVR

Der Orden veranschaulicht, dass der Karneval im städtischen Leben eine elementare Rolle spielte, unabhängig von der Religion der Akteur*innen. 1922 gründeten jüdische Karnevalisten den „Kleinen Kölner Klub“. Die Gründung dieses Vereins war auch eine Reaktion auf die zunehmenden antisemitischen Haltungen im Kölner Karneval. Der Verein richtete eine Vielzahl von Veranstaltungen aus und seine Mitglieder unterhielten ebenso Beziehungen zu nichtjüdischen Karnevalisten und Gesellschaften.

„Die Kölner Juden erlebten schon in den späten 1920er Jahren antisemitische Übergriffe, von verbalen Beleidigungen bis hin zu psychischer und physischer Gewalt. Der nationalsozialistische Einfluss machte auch vor den Karnevalsvereinen nicht halt. Sich in dieser Zeit zur jüdischen Bevölkerung zu bekennen, war für meinen Vater selbstverständlich. Trotz Warnungen nationalsozialistischer Gruppen trat mein Vater 1929 bei dem jüdischen Karnevalsverein „Kleiner Kölner Klub“ (KKK) auf und erhielt im Anschluß den Vereinsorden. Dieser Orden ist, ohne ihn überbewerten zu wollen, mehr als ein Karnevalsorden, er ist ein Bekenntnis zu den Kölner Juden.“
Gerhard A. Küpper über die Bedeutung des Karnevalsordens.

Nach dessen Auftritt bei einer Sitzung des „Kleinen Kölner Klubs“ verlieh Präsident Max Salomon Karl Küpper 1929 den Vereinsorden in Form eines Davidsterns. Aufgrund seiner unangepassten, politischen Reden als „Verdötschter“ in der Bütt mit überregionalem Bekanntheitsgrad gilt Küpper als einer der wenigen, die im Kölner Karneval während des NS-Regimes verbalen Widerstand leisteten.

Ausgehend von diesem Karnevalsorden und weiteren Objekten wird im MiQua die Geschichte des jüdischen Kölner Karnevalisten Hans Tobar (1888–1956) vorgestellt. Er war einer der bekanntesten Kabarettisten im Kölner Karneval mit engen Verbindungen zu jüdischen und nichtjüdischen Kolleg*innen und stand auf den großen Bühnen der Stadt, um das karnevalistische Publikum zu unterhalten. Ein bekannter Auftrittsort war der sogenannte Kaiserhof in der Salomonsgasse. An der Gründung des Vereins „Kleiner Kölner Klub“ war er maßgeblich beteiligt. Durch die Machtübernahme der Nationalsozialist*innen im Januar 1933 veränderte sich auch die Situation Tobars, so konnte er fortan nur noch auf jüdischen Veranstaltungen auftreten und emigrierte schließlich 1939 nach New York. Hier arbeitete er als Maschinenarbeiter, organisierte und spielte aber zusätzlich karnevalistische Revuen am Broadway und brachte so den Kölner Karneval in die USA.

Im März 2019 durften wir im MiQua Nachfahren von Hans Tobar aus New York begrüßen und ihnen das Konzept unseres Museums vorstellen. In einem sehr offenen und herzlichen Gespräch tauschten wir uns über verschiedene Ideen aus und gewannen einen persönlichen Blick auf sein Leben. Tobar wird Teil der Dauerausstellung im Museumsneubau des MiQua. Hier wird die jüdische Geschichte und Kultur Kölns von 1424, dem Jahr der Ausweisung der Jüd*innen aus der Stadt, bis in die Gegenwart thematisiert werden. Biografien, Objekte und Orte machen deutlich, wie eng verknüpft die jüdische und nichtjüdische Geschichte Kölns waren und sind.

Beitragsbild: Orden des Karnevalisten Karl Küpper, Foto: Sharon Nathan / LVR

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