Unterwegs

Fünf Tage in Izmir

Ein internationaler Workshop mit Kuratorinnen und Kuratoren Jüdischer Museen aus Europa

(English version below) 15 Kuratorinnen und Kuratoren von Jüdischen Museen aus elf verschiedenen Ländern trafen sich im April 2017 im türkischen Izmir zu einem gemeinsamen Workshop, dem sogenannten „Advanced Curatorial Education Programme“. Dieses Programm wird regelmäßig von der Association of European Jewish Museums (AEJM), dem Verbund europäisch-jüdischer Museen, an unterschiedlichen Orten veranstaltet. Seit diesem Jahr ist auch MiQua Mitglied bei AEJM.

Zwei Frauen tragen weiße Handschuhe zum Schutz des Objektes. Frau Gogel hält das Objekt in beiden Händen.

Sandra Gogel, von der Gogel Family Collection in Paris und Christiane Twiehaus vom MiQua begutachten die Rimmonim. Dabei handelt es sich um einen bekrönenden Aufsatz für den Stab einer Tora-Rolle. © The Izmir Project

2017 ist das „sephardische Jahr“

2017 wurde von AEJM als „sephardisches Jahr“ benannt. Als Sepharden bezeichnet man die Jüdinnen und Juden und ihre Nachkommen, die bis Ende des 15. Jahrhunderts auf der iberischen Halbinsel lebten und nach ihrer Vertreibung 1492 aus Spanien und 1497 aus Portugal Zuflucht an anderen Orten in Europa fanden. AEJM bietet seinen Mitgliedern mit Workshops, Exkursionen und der Jahrestagung in Spanien unterschiedliche Zugänge zu dieser interessanten Kultur.

In Izmir waren wir Kuratorinnen und Kuratoren aufgefordert, ein „Objekt“ aus der Sammlung unseres Museums oder aus der jeweiligen Stadt zu zeigen, das einen sephardischen Aspekt aufweist. Für MiQua stellte ich eine Person vor: Jakob ben Ascher, ein rabbinischer Gelehrter, der Köln Anfang des 14. Jahrhunderts mit seiner Familie verließ und ins spanische Toledo ging. Dort schrieb er eines der Hauptwerke der rabbinischen Literatur: die „Arba’a Turim“, die Vier Reihen. Das ist ein Gesetzeswerk, das in vier Teilen u.a.  Gesetze zu Gebeten und den Feiertagen, zum Eherecht und den Speisegesetzen umfasst und das später von nachfolgenden Rabbinern kommentiert wurde.

Auf den Spuren der jüdischen Geschichte und Kultur in Izmir

Wir begaben uns in Izmir auf die Spuren der jüdischen Geschichte und Kultur dieser Stadt. Insgesamt 34 Synagogen gab es dort über die Jahrhunderte, 13 sind noch heute erhalten – in ganz unterschiedlichen baulichen Zuständen.

Die Synagoge ist stark zerstört und bewachsen. Im Vordergrund liegen Bretter.

Die Hevra-Synagoge aus dem frühen 17. Jahrhundert, die heute nur noch eine Ruine ist. © Christiane Twiehaus / LVR

Innenansicht der Synagoge

Die Algazi-Synagoge in Izmir, © Christiane Twiehaus / LVR

Für die erhaltenen Gemeindebauten diskutierten wir Renovierungs- und Konservierungskonzepte. Darüber hinaus untersuchten und identifizierten wir auch die überlieferten Judaica-Objekte – darunter Textilien für die Synagoge und silberner Tora-Schmuck, die der heutigen jüdischen Gemeinde Izmirs gehören.

Frontalansicht der Tora-Krone

Tora-Krone aus der jüdischen Gemeinde Izmir. Die Krone wird auf die beiden Stäbe aufgesetzt, auf denen die Tora-Rolle aufgerollt ist. Die hebräische Inschrift lautet „Zion“, ein Begriff, der symbolisch für Jerusalem und auch Israel steht. © Christiane Twiehaus / LVR

Mit Izmir begegnete uns ein sehr eindrücklicher Ort in Europa, der eine vielfältige und reiche jüdische Geschichte widerspiegelt, die sich aus sephardischen, aber auch aschkenasischen, also mittel- und osteuropäischen Einflüssen, speist.

Weitere Informationen:

  • „The Izmir-Project“, ein Projekt, das sich der Rettung der Synagogen und des jüdischen Kulturerbes der Stadt widmet: www.izmirjewishheritage.com
  • „Association of European Jewish Museums“: www.aejm.org

 

Ein Beitrag von Christiane Twiehaus, MiQua.


Five days in Izmir

 An international workshop with curators from Jewish museums all over Europe

Fifteen curators from Jewish museums in 11 countries met in April 2017 in the Turkish city of Izmir for a workshop under the Advanced Curatorial Education Programme. The programme involves regular meetings at various locations and is organised by the Association of European Jewish Museums (AEJM). As of this year, MiQua is a member of AEJM.

Image 1: Sandra Gogel, of the Gogel Family Collection in Paris and Christiane Twiehaus of MiQua inspect a rimmonim. A rimmonim is a decorative object that adorns the roller handles of a Torah. © The Izmir Project

2017 is the ‚Sephardic year‘

The AEJM has designated 2017 as ‚Sephardic year‘. The Sephardim are the Jews and their descendants who lived in Spain and Portugal until the end of the 15th century. Following their expulsion in 1492, they fled to other European countries. Through workshops, excursions and the decision to hold the annual conference in Spain, the AEJM is providing its members with a number of options to learn about this interesting culture.

In Izmir we as curators were invited to present an object from our city or our museum collection that demonstrates a Sephardic aspect. My contribution on behalf of MiQua was a person: Jacob ben Asher, a rabbinic scholar who left Cologne at the beginning of the 14th century, taking his family to Toledo in Spain. There he wrote what was to become one of the main works of rabbinic literature: the ‚Arba’ah Turim‘ (Four Rows). The Arba’ah Turim is a body of laws in four parts, which include laws on prayer and holidays, on marriage, and on dietary matters. Subsequent rabbis commented on and referred to these laws.

Following the trail of Jewish cultural heritage in Izmir

The conference in Izmir gave us the opportunity to trace Jewish history and culture. Over the centuries a total of 34 synagogues existed here, of which 13 remain today, in vastly divergent states of repair.

Image 2: The Hevra Synagogue, which dates from the early 17th century. Today it is little more than a ruin. © Christiane Twiehaus / LVR

Image 3: The Algazi Synagogue in Izmir, © Christiane Twiehaus / LVR

We discussed renovation and conservation concepts for the existing community buildings and examined items of Judaica that have been handed down, identifying textiles used in the synagogues and silver Torah ornaments belonging to today’s Jewish community in Izmir.

Image 4: Torah crown belonging to the Jewish community in Izmir. The crown is placed on the two rolls that hold the Torah. The Hebrew inscription reads ‚Zion‘, a term that is symbolic of both Jerusalem and Israel. © Christiane Twiehaus / LVR

Izmir impressed us as a European city with a rich and varied Jewish history, which reflects both Sephardic and Ashkenazic traditions, i.e., both Central and Eastern European influences.

Further information:

  • The ‚Izmir-Project‘ is dedicated to saving the synagogues and Jewish cultural heritage of the city of Izmir: www.izmirjewishheritage.com
  • Association of European Jewish Museums‘: www.aejm.org

 

By Christiane Twiehaus, MiQua.

 

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Ein Kommentar zu “Fünf Tage in Izmir

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